Referat „Prävention sexueller Ausbeutung“,

Der Vorstand von Biberist aktiv! hat sich entschieden das Thema "Prävention vor sexueller Ausbeutung" in unserem Verein aktiv anzugehen. Im Zentrum steht der Schutz unserer jungen und jugendlichen Vereinsmitgliedern, unserer Leiter/-innen (Selbstschutz und Schutz vor Falschanschuldigungen) und unseres Vereins als Ganzes. Am 10. Juni sind wird mit einem Fachreferat zum Thema in die Präventionsarbeit als Gesamtverein gestartet.

 

Das Referat fand im katholischen Pfarreizentrum in Biberist ein Referat zum Thema Prävention vor sexueller Ausbeutung im Freizeitbereich statt. Dazu wurde Urs Urech, Fachmitarbeiter Prävention beim Verein Mira, eingeladen. Das Referat richtete sich an alle Funktionäre von Biberist aktiv! und hat einen ersten Einstieg ins Thema geboten. 16 Personen haben das Angebot genutzt und daran teilgenommen.

In seinem Referat präsentierte Urs Urech Statistiken, welche klar zeigen, dass sexuelle Übergriffe auf Mädchen und Jungen in nennenswerten Zahlen vorkommen. Die Gefahr von Übergriffen darf deshalb nicht ignoriert werden. Studien zeigten, dass die meisten Übergriffe im familiären Umfeld (Eltern, nahe Verwandte) oder durch Vertrauenspersonen (Lehrer, Trainer, Pfarrer, etc.) begangen werden. Auch Übergriffe unter gleichaltrigen Jugendlichen sind häufig. Nur selten werden Übergriffe durch fremde Personen ausgeübt. Deshalb betrifft das Thema auch uns als Turnverein.

Zum heutigen Zeitpunkt ist Prävention für uns freiwillig. Dies ist nicht mehr überall so. Z.B. in der Stadt Winterthur ist Prävention nach verschiedenen Vorfällen nicht mehr freiwillig, sondern eine Voraussetzung dafür, dass ein Verein die Sporthallen nutzen darf.

Mit der Prävention geht es nicht nur darum, Kinder vor Übergriffen aus dem Leiterteam zu schützen. Es geht auch darum, Übergriffen unter den Kindern und Jugendlichen untereinander vorzubeugen und im Falle eines Vorfalles als Vertrauenspersonen für unsere Jugendmitglieder da zu sein. Dies auch, wenn der Übergriff ausserhalb des Vereins stattgefunden hat und sie bei uns als Vertrauenspersonen und Vorbilder Rat und Hilfe suchen. Weiter geht es auch um den (Selbst)Schutz und die Sensibilisierung unserer Leiter/innen. So bietet bewusstes und reflektiertes Handeln auch Schutz bei Falschanschuldigungen.

 

Im Sport kommt es regelmässig zu Körperkontakt. In Kleingruppen haben wir uns während dem Referat Gedanken gemacht, wo unsere Körper in unserem Verein in Kontakt kommen. So zum Beispiel bei der Begrüssung, beim Kontakt im Spiel, bei Partnerelementen in der Gymnastik oder während Hilfestellungen oder Korrekturen im Geräteturnen oder in der Leichtathletik. Dabei taucht die Frage auf, welche Berührungen „normal“ und „erlaubt“ sind.

Urs Urech zeigte uns auf, dass es bei Berührungen wichtig ist, dass sie keine sexuellen Motive haben dürfen und spontan und beidseitig erwünscht sein müssen. Berührungen und Rituale sollen zur Sportart und zur Kultur des Vereins passen. Als Leitfaden für die Arbeit mit Kinder und Jugendlichen kann folgende Frage dienen: „Würde ich die Berührungen auch machen, wenn die Eltern dabei wären?“

Gute Beziehungen und Körperkontakte sind wichtig und stärken Kinder. Sie sind präventiv und geben den Kindern die Chance, zu lernen was richtig und was falsch ist. Kinder spüren den Unterschied zwischen „guten“ und „schlechten“ Berührungen.

Grenzverletzungen und Übergriffe gibt es aber nicht nur beim direkten Körperkontakt. Gerade mit den neuen sozialen Medien und dem verbreiteten Besitz von Smartphones kommt es auch zu Grenzverletzungen ohne Körperkontakt. Dies zeigt folgendes Fallbeispiel: „In der Toilette des Clubhauses filmt einer der 13-jährigen mit seinem Handy die anderen Jungs beim urinieren. Am nächsten Tag ist der Film auf Youtube.“ Solche Vorkommnisse dürfen nicht passieren und erfordern klare Grenzen und Konsequenzen. Ob dies bedeutet, dass wir als Leiter in den Toiletten, Garderoben und Duschen präsent sein müssen, soll damit nicht gesagt werden. Wichtig ist aber, dass man sich über solche Fragen im Leiterteam austauscht und eine gemeinsame und klare Haltung pflegt. Als Leiter/innen haben wir eine Aufsichtspflicht, die wir wahrnehmen müssen.

Diese Aufsichtspflicht haben wir auch, wenn es um Liebesbeziehungen unter den Jugendlichen geht. Im Freizeitbereich liegt das Schutzalter bei 16 Jahren. Ist eine Person jünger als 16 Jahre, dürfen sexuelle Handlungen in gegenseitigem Einverständnis vorgenommen werden, wenn der Altersabstand maximal drei Jahre beträgt. Beobachten wir sexuelle Handlungen, bei welchem diese Regel verletzt wird, sollten wir das Gespräch mit den Jugendlichen suchen und gegebenenfalls die Eltern der jüngeren Person darüber informieren.

Leider ist aber auch die beste Prävention keine Garantie dafür, dass es zu keinen Übergriffen kommt. Das richtige Vorgehen nach einem Übergriff ist eine grosse Herausforderung. Wichtig ist, nicht überstürzt, sondern überlegt und durchdacht vorzugehen. Hat der Vorfall in der Familie stattgefunden, sollte mit dem Einverständnis des Kindes die Lehrerin oder eine Schulsozialarbeiterin informiert werden. Neu gibt es bei Biberist aktiv! zwei Kontaktpersonen, Markus Knellwolf und Katrin Röthlisberger. Sie können bei Fragen und Verdachtsfällen kontaktiert werden und stehen beratend zur Seite. Sie kennen weitere Fachstellen, welche beigezogen werden können, um uns als Verein in schwierigen Situationen kompetent zu coachen.

Prävention sexueller Übergriffe soll bei Biberist aktiv! ab jetzt aktiv angegangen werden und nach diesem Referatsabend nicht wieder in Vergessenheit geraten. Im Vorstand wird dazu in den nächsten Wochen und Monaten das weitere Vorgehen definiert, u.a. soll der Präventionsgedanke in unseren Vereinsstatuten fest verankert werden.

J+S bietet in den interdisziplinären Fortbildungsmodulen ebenfalls verschiedene Kurse zum Thema an (Präventives Handeln: Keine sexuellen Übergriffe). Alle J+S-Leiter sind dazu eingeladen, Kurse in diesem Bereich zu absolvieren und selber ebenfalls aktiver und bewusster mit Prävention umzugehen.

 

Wir wollen schützen. Unsere Mitglieder, vor allem die Jugendmitglieder. Unsere Leiter und Funktionäre. Unseren Verein. Danke dass ihr alle mithelft!

 

Bericht von Markus Knellwolf und Katrin Röthlisberger